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Die Geschichte des Labrador Retrievers

Wie bei den meisten Hunderassen wurden auch über den Ursprung der Retriever zahlreiche Theorien aufgestellt, deren Wahrheitsgehalt schwer zu beurteilen ist. Als gesichert gilt, dass die Wiege eines ihrer Vorfahren in Neufundland stand.

Vor ungeführ 500 Jahren segelten Fischer aus dem südlichen Devon nach Neufundland, um vor der Halbinsel Avalon bei St. John's auf Fischfang zu gehen. Dies geht aus englischen Urkunden hervor, die belegen, dass England um das 15. Jh. in 'Neufundland' das Fischfanggebiet 'Avalon' (Halbinsel im Südosten Neufundlands) zugeteilt bekam. Aus englischen Quellen ist ebenfalls bekannt, dass die Fischer aus Devon in ihrer Heimat bereits eine breite Auswahl an unterschiedlichen Jagdhunderassen besaßen. Es gibt aber recht starke Gründe zur Annahme, dass sie sich für den sog. "Saint Hubert's Hound" entschieden. Dieser Hund hat seinen Ursprung in Frankreich und fand durch den regen Kulturraustausch des damaligen Adels seinen Weg nach England. In England verlor dieser Hund schnell seine Reinrassigkeit, da englische Jäger auch auf andere Gesichtspunkte größeren Wert legten. Avalon hingegen kam seine Abgeschiedenheit und die Tatsache, dass es dort keine einheimischen Hunde gab, zugute. So wurden diese Hunde wahrscheinlich reinrassig erhalten und wegen ihres Zuchtortes sowie ihres Einsatzgebietes später auch St. John's Dog oder Water Dog genannt.

Erst im 18. Jahrhundert tauchen die ersten "St. John's Dogs" in Pool durch die Verbindungsschifffahrt mit Avalon auf und fanden ihre ersten Liebhaber. Trotz seiner zunehmenden Beliebtheitwar der "St. John's Dog" Mitte des 18. Jh in England sehr selten anzutreffen. Die Berichte über den Labrador von Anfang 1800 -1882 sind eine recht lückenhafte Angelegenheit. Die Gründe hierfür sind einleuchtend. Der Hund befand sich in den Händen des Landadels, man hielt ihn weitgehend unter sich. Natürlich wurde aus dem gleichen Grund die Hunderasse vor dem Aussterben gerettet. Der gewöhnliche Jäger hatte nur ein paar St. John's Hunde für die Zucht, er hatte sie gekreuzt, bis es sie nicht mehr gab. So hatte der Labrador sehr viel Glück, dass seine "Freunde" immer recht einflussreiche Persönlichkeiten waren. (Quelle: R. A. Wolter "Der Labrador Retriever")

Dem zweiten Earl of Malmesbury (1778-1841) verdanken wir in ersten Linie´den heutigen Labrador Retriever. Die genaue Zeit, wann er seinen ersten Hund aus Poole bekam, steht nicht fest, aber es gibt Aufzeichnungen aus dem Jahr 1809, dass er einen Hund aus Neufundland jagdlich führte. Er gründete die erste Zucht mit Labrador Retrievern, die damals noch St. John's Dog geannt wurden.

Ca. 1835 kamen die ersten St. John's Dogs über den Seehafen Greenock nach Schottland und der fünfte Duke of Buccleuch (1806-1884) begann seinen Zwinger aufzubauen. Von ihm wurde dieser Hund erstmalig 1839 Labrador genannt.. Sein Bruder Lord John Scott (1809-1860) und der zehnte Lord of Home (1769-1841), die alle in einem Abstand von 30 Meilen voneinander wohnten, importierten während dieser Zeit ebenfalls mehrere Hunde aus Neufundland. Hieraus entstand die Buccleuch Linie.

Der Sohn des zweiten Earls of Malmesbury, der dritte Earl (1807-1889) setzte nach dem Tod seines Vaters (1841) dessen Zuchtlinie fort. Der dritte Earl of Malmesbury überließ im Alter von 75 Jahren, dem sechsten Duke of Buccleuch (1831-1914) und dem zwölften Lord of Home (1834-1918) einen Großteil seiner Hunde. Mit diesen und ihren eigenen Hunden führten sie ihre Buccleuch Zuchtlinien fort und brachten somit die Zucht der Labrador Retriever ins 20. Jahrhundert. Vermutlich hat der zweite Earl of Malmesbury damit die Rasse vor dem Aussterben bewahrt.

 

 

1885 wurde in Neufundland ein neues Gesetz erlassen, welches die beginnende Schafzucht dort unterstützen sollte (Sheep Protection Act). Es wurde eine sehr hohe Steuer auf Hunde und vor allem auf Hündinnen erhoben, was zur Tötung unzähliger Hunde führte. Der Bestand an St. John's Hunden dezimierte sich so drastisch, dass er dort fast ausstarb. (Die Schafzucht wurde in Neufundland nie ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor) 1895 sorgte die Einführung des Quarantänegesetzes (British Quarantine Act) in Großbritanien dafür, dass keine weiteren Hunde mehr aus Neufundland  nach England kamen und so nur mit den vorhandenen Blutlinien weiter gezüchtet werden konnte. Glücklicherweise hatte die Zucht in England schon einen guten Bestand. So war die weitere Entwicklung des Labradors auch ohne neue Importe möglich.

Zu dieser Zeit waren Labradors immer schwarz, aber es ist bekannt, dass vermutlich schon 1892 zwei leberfarbene Welpen in der Buccleuch Zucht gefallen sein sollen. Allerdings wurden alle Welpen, die eine andere Farbe als schwarz aufwiesen, wahrscheinlich sofort getötet, weil diese als Fehlfarbe angesehen wurde. Schon die Hunde, die nach England importiert wurden, trugen diese rezessiven Gene in sich. 1899 wurde der erste gelbe Labrador geboren. Er ging aus schwarzen Eltern hervor. Die Züchter damals verstanden noch nicht viel von der Vererbung der Farben beim Labrador und wussten nicht, dass die gelbe Fellfarbe rezessiv vererbt wird. Es werden also nur gelbe Welpen geworfen, wenn beide Elterntiere die gelbe Farbe in sich tragen. Zu diesem Zeitpunkt begann die Zuchtrichtung des gelben Labradors.

Um 1900 hatte sich trotz beachtlicher Distanzen zwischen den einzelnen Züchtern (Schottland - Süden Engalnds) bereits ein sehr einheitlicher Typ Labrador entwickelt, was darauf schließen läßt, dass bereits die ersten Hunde, die nach England kamen, genetisch gut fixiert waren, was wiederum ein Hinweis darauf sein könnte, dass der St. John's Dog schon sehr reinrassig war. 1903 wurde die Rasse vom englischen Kennel Club (KC) offiziell anerkannt. 1916 wurde der British Labrador Retriever Club gegründet. 1916 wurde ebenfalls der erste Rassestandard vom Labrador Retriever Club aufgestellt und blieb bis 1950 unverändert. Ende der 30er Jahre wurde auch die braune Farbe des Labradors als Farbe anerkannt. In dem neuen Standard von 1950 wurden dann alle 3 Farben des Labrador Retrievers eingetragen. Dieser Standard wurde 1982 und schließlich 1986 in seiner heutigen noch gültigen Fassung geändert.

Wer sich näher mit der Geschichte des Labrador Retrievers beschäftigen möchte, dem empfehlen wir das Buch von Richard A. Wolters "Der Labrador Retriever" (s. unter Literaturhinweise)